[BACK] [BACK WIDE] [HOME] [FORWARD]Europa: Tausende von BSE-Rindern verspeist[EU.L.E. HOME]

MacKenzie, D: Secrets and lies in Europe.
New Scientist 3.5.1997/S.14-15

Auf dem Kontinent (einschließlich Deutschland) muß es Tausende von BSE-Fällen gegeben haben, die entweder nicht entdeckt oder vertuscht wurden. So lautet nach einem Bericht des New Scientist die Bilanz europäischer BSE-Experten. Zwischen 1985 und 1990 exportierte Großbritannien knapp 60.000 Rinder für Zuchtzwecke auf das europäische Festland. Davon hätten, so Bram Schreuder vom holländischen Institut für Tierwissenschaften und Gesundheit in Lelystad, mindestens 1.600 erkranken müssen: "Sie wurden nicht gemeldet, also kamen sie in den Handel".

Darüber hinaus sollte das (bis 1994) exportierte britische Fleisch- und Knochenmehl zahlreiche Tiere infiziert haben. Da Futtermittel kreuz und quer durch Europa gehandelt werden, ist überall mit Erkrankungen zu rechnen. Lediglich die "kleinen" Länder Irland und Schweiz hätten glaubwürdige Fallzahlen gemeldet. Dort gehen jeweils über 200 BSE-Fälle auf das Konto britischer Futtermittel.

Auch die Kontrollvorschriften stehen in der Kritik. Im Schnitt entwickeln von 1 Mio Rinder etwa 100 Tiere neurologische Symptome, die genauerer Abklärung bedürfen. Lediglich in Großbritannien wird die erwartete Zahl gemeldet. In Deutschland sind es immerhin noch 70 Tiere, in Belgien 48, in Frankreich neun und in Holland war es 1995 nur ein Rind. Emmanuel Vanopdenbosch, Direktor des Staatlichen Instituts für Veterinärforschung in Brüssel, bestätigte, daß es in seinem Land mehr BSE-Fälle gibt als öffentlich werden. Allerorten sei das Bemühen erkennbar, zum Schutze der eigenen Fleischexporte BSE-Fälle so gut wie möglich zu verbergen. Dabei spielt auch der soziale Druck eine wichtige Rolle: In Deutschland wurde ein betroffener Landwirt unter Polizeischutz gestellt, weil ihn die Nachbarschaft bedrohte.



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