| Wie Citreoviridin wirkt |
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| Ueno, Y: The toxicology of mycotoxins. CRC Critical Reviews in Toxicology 1985/14/S.99-132 Einen Zusammenhang zwischen Mykotoxinen und Krankheiten von Mensch und Tier vermutete man bereits seit biblischen Zeiten: damals war es das Antoniusfeuer (Ergotismus), eine Vergiftung mit Alkaloiden des Mutterkornpilzes Claviceps purpurea. Erst mit modernen Forschungsmethoden konnten die molekularen Mechanismen der Mykotoxinschäden teilweise aufgeklärt werden. In seiner Übersicht beschreibt Yoshino Ueno vom Institut für Toxikologie und Mikrobielle Chemie der Universität in Tokio unter anderem das Citreoviridin. Es wurde erstmals aus Penicillium citreoviride isoliert, einem auf Reis wachsenden Schimmelpilz, wird aber auch von zwei weiteren Penicilliumarten gebildet. 1958 waren gut 7 % aller untersuchten Reisproben mit dem Pilz infiziert. Vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedriger Temperatur bildet er das Toxin. Das erklärt das gehäufte Vorkommen im kühl-feuchten Norden Japans. Der dort angebaute Reis wurde in Gegenden exportiert, die viele akute Beriberifälle zu beklagen hatten. Die ersten umfangreichen Toxizitätsstudien wurden von Uraguchi 1947 durchgeführt. Er verwendete Rohextrakte befallener Reiskörner; je nach Konzentration seiner Zubereitungen betrug die LD50 für Mäuse 1 - 10 mg/g Körpergewicht. Die Symptome waren Lähmungen der Hinterhand, gefolgt von Erbrechen, Krämpfen und fortschreitender Atemnot. 3 bis 8 Std nach oraler Aufnahme starben die Tiere an einer Lähmung des Atemzentrums. Das Neurotoxin greift motorische Neurone entlang der Wirbelsäule und im Gehirn (Medulla oblongata) an. Citreoviridin ist ein potenter Inhibitor der ATPase und behindert damit die Energieversorgung der Gewebe. So verhindert es z.B. die ATP-abhängige Reduktion von NAD+ durch Succinat in den Mitochondrien. Damit fehlen dem Organismus Reduktionsäquivalente. Anmerkung: Die gleichen Symptome wie Citreoviridin (Lähmungen und Atemnot) ruft das von Aspergillus stellatus und Emericella variecolor gebildete Asteltoxin hervor. Am Rande sei bemerkt, daß auch viele Symptome des Ergotismus denen der Beriberi weitgehend gleichen: Kribbeln oder Brennen in Händen und Füßen, Krämpfe und Muskelschmerzen oder Lähmungen, Aphasie (Sprachstörungen) und Psychosen! Die sehr variable Symptomatik der Beriberi kann damit erklärt werden, daß Citreoviridin nicht das einzige Mykotoxin ist, das auf Reis gebildet wird. Als Japan nach dem Zweiten Weltkrieg thailändischen Reis importierte, waren manche Chargen gelb. Anfang der 60er Jahre konnte der Schimmelpilz Penicillium islandicum als Verursacher dingfest gemacht werden. Er produziert neben einem Dutzend anderer Gifte Luteoskyrin (Food and Chemical Toxicology 1991/ 29/S.607-613). Das Anthrachinon-Derivat wird als Ursache für das gehäufte Auftreten von Leberkrebs in asiatischen Ländern diskutiert. |
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